Hinweis zu unserer Ausstellung

Bitte beachten Sie: Das Amerikahaus ist am Samstag, 20. Juli 2024, aufgrund einer geschlossenen Veranstaltung und von Montag, 29. Juli, bis Sonntag, 18. August 2024, aufgrund unserer Sommerpause geschlossen. Herzlichen Dank für Ihr Verständnis!

Besucher des Filmfest München auf der Treppe des Amerikahauses ©Sophie Mahler / Filmfest München

Rückblick auf das Filmfest München 2023 im Amerikahaus

Freitag, 24. Juni 2023 bis Samstag, 01. Juli 2023

Wir freuen uns ganz besonders, dass wir vom Freitag, 23. Juni bis Samstag, 01. Juli 2023 bereits zum zweiten Mal Festivalzentrum des Filmfest München waren.

Bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein trafen sich wieder viele internationale Gäste aus der Filmbranche, Journalist*innen und Filmfans zum 40. Filmfest München bei uns im Amerikahaus. Neben Filmvorführungen fanden zahlreiche „Filmmakers Live!“-Gespräche und Veranstaltungen der Filmindustrie bei uns statt. Mit Getränken und Pizza ließ es sich gut in der Festival-Lounge in unserem Garten entspannen. Der Austausch mit anderen Filmliebhaber*innen in entspannter Atmosphäre war hier garantiert.

Es wurden wieder einige Filme auf unserer Kinoleinwand gezeigt, bei ausgewählten Vorführungen waren auch die jeweiligen Regisseur*innen vor Ort und standen dem Publikum Frage und Antwort. Andrew Bujalski, der amerikanische Independent-Filmemacher und bekannte Vertreter der jungen Do-it-yourself-US-Filmszene, dem sogenannten Mumblecore-Genre, meldete sich mit seiner Komödie There There fulminant zurück. Der Film ist eine einzigartige Kombination aus stilistischem Minimalismus und schlagfertiger Komik.

Ganz besonders freuten wir uns über eine Weltpremiere im Amerikahaus: The Return from the Other Planet des israelischen Regisseur Assaf Lapid ist ein faszinierender Dokumentarfilm über den Autor Yechiel De-Nur, der 1945, nach seiner Befreiung aus Auschwitz unter dem Pseudonym Ka-Tzetnik („der Mann aus den Lagern“) zu schreiben beginnt. Seine Bücher wurden millionenfach verkauft und in 32 Sprachen übersetzt. Erst beim Prozess gegen Adolf Eichmann 1961, bei dem er als Zeuge auftritt, wird seine Identität bekannt.

Ein weiterer Dokumentarfilm, der bei uns zu sehen war, macht sich auf die Suche nach den verlorenen Kinos in Recife, Brasilien: Retratos Fantasmas ist ein introspektiver Blick auf ein sich veränderndes Brasilien. Der preisgekrönte brasilianische Regisseur und Drehbuchautor Kleber Mendonça Filho widmet diesen Film seiner nordbrasilianischen Heimatstadt Recife: Eine Zeitreise in die Geschichte einer Stadt und des Kinos selbst, die mal humorvoll, mal melancholisch ist – aber auch durchzogen von den titelgebenden Geistererscheinungen, die immer wieder die Tür zum Phantastischen öffnen.
 

Regielegenden, Schauspieler*innen und Oscar-Gewinner - die Gästeliste im Amerikahaus war beeindruckend. Zahlreiche Filmfans nutzten die Möglichkeit, ihren Idolen ganz nah zu kommen. In den „Filmmakers-Live!“-Talks wurden spannende Themen, die Einfluss in die gezeigten Filmbeiträge gefunden haben, diskutiert, zum Beispiel interkulturelle Identitätssuche, Männlichkeitsbilder in unserer Gesellschaft sowie aktuelle politische Entwicklungen. Das Publikum konnte den Filmschaffenden selbst seine Fragen stellen und den Prominenten in kleiner Runde so nah kommen wie selten. Und das völlig kostenlos. Ein echtes Erlebnis für Filmfans.

Maryam Keshavarz, die Regisseurin des Eröffnungsfilms des Filmfest München 2023, The Persian Version, machte den Anfang. Die amerikanisch-iranische Regisseurin sprach mit ihren beiden Hauptdarstellerinnen Layla Mohammadi und Niousha Noor darüber, wie es sich anfühlt, zwischen den Kulturen zu stehen und wie sie es dennoch schafften, ihren Weg zu gehen. In ihrem Film ist Hauptfigur Leila iranisch-amerikanischer Abstammung und versucht, ein Gleichgewicht zu finden und ihre unterschiedlichen Kulturen anzunehmen.

Die eigene Identität ist auch im US-Spielfilm The Inspection das bestimmende Thema. Die männliche Hauptfigur beschäftigt sich mit der Frage, was eigentlich männlich ist. Und wie lassen sich die Männlichkeitsbilder in unserer Gesellschaft und auf der Leinwand (de-)konstruieren? Diesen Fragen näherten sich Regisseur Elegance Bratton und Produzent Chester Algernal Gordon in ihrem eindrucksvollen Spielfilmdebüt.

Eine politische Dokumentation liefern die Regisseure Marcus Vetter und Michele Gentile mit War and Justice ab. Sie erzählt die beeindruckende Geschichte des Internationalen Strafgerichtshofs und seiner Mission, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verfolgen. Mit Luis Moreno Ocampo, dem ersten Chefankläger des ICC und seiner Assistenzanwältin Joanna Frivet diskutierten die Regisseure über den Nutzen und die Grenzen des Internationalen Strafgerichtshofs.

Auch bei uns zu Gast waren unter anderem Schauspielerin Senta Berger, die österreichische Regisseurin Jessica Hausner, der die diesjährige Retrospektive des Filmfests gewidmet war, der englische Star-Regisseur Stephen Frears (The Last King) sowie der britische Charakterdarsteller Timothy Spall (Harry Potter, Mr. Turner).

Die kanadische Regisseurin Mary Harron sprach in ihrem Talk nicht nur über ihren größten Erfolg American Psycho, sondern auch über ihren aktuellen Film Dalíland. Er handelt von dem surrealistischen Künstler Savador Dalí, verkörpert von dem britischen Schauspieler Ben Kingsley, und seiner Ehefrau Gala, gespielt von Barbara Sukowa. Letztere bekam für ihr Lebenswerk den diesjährigen CineMerit Award vom Filmfest München verliehen und war ebenfalls zu einem Gespräch über ihre internationale Karriere im Amerikahaus zu Gast.

Ein Höhepunkt war das Gespräch mit den frischgekürten Oscarpreisträgern Kameramann James Friend und Regisseur Ed Berger, der aus einem Londoner Taxi zugeschaltet war. Ihr Anti-Kriegsdrama Im Westen nichts Neues, welches eindringlich das Grauen des Ersten Weltkriegs zeigt, hat 2023 gleich vier Academy Awards in Los Angeles gewonnen - unter anderem in der Kategorie "Bester internationaler Film". Sie gaben spannende Einblicke in die Arbeit in einem internationalen Filmteam. Bereits im Februar fand im Amerikahaus ein Special-Film-Screening von der ausgezeichneten Literaturverfilmung des Klassikers von Erich Maria Remarque statt.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Beteiligten für eine großartige Festivalwoche im Amerikahaus. Es war uns eine große Freude, das Festivalzentrum des Filmfest München 2023 zu sein und so viele Filmschaffende und Besucher*innen begrüßen zu dürfen. Wir bedanken uns ganz herzlich beim Filmfest und bei allen, die im Amerikahaus waren!

Einen Überblick über alle Filme, die bei uns gezeigt wurden finden Sie auf unserer Programmseite zum Filmfest.

Alle Gespräche der Reihe "Filmmakers Live!" wurden aufgezeichnet und können auf dem Youtube-Kanal des Filmfests angesehen werden.