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Inside Donald Trump's Washington - Christoph von Marschall im Amerikahaus

 

Die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA scheint hierzulande noch immer nicht vollständig akzeptiert zu sein. Handelt es sich bei dem einstigen Unternehmer doch um eine höchst umstrittene Person auf dem internationalen Polit-Parkett, die es immer wieder schafft mit ihren Aussagen die Gemüter zu erhitzen und Unsicherheit zu verbreiten, so muss man doch anerkennen, dass Trump der demokratisch gewählte Präsident der USA ist.

 

Rund 60 Gäste ließen sich deshalb am 19. Februar 2018, trotz widrigster Witterungsverhältnisse und Eiseskälte, nicht abschrecken und fanden den Weg zu uns ins Amerikahaus, um dem Bericht eines Insiders aus dem politischen Zentrum der USA zu lauschen. Zu Gast war Dr. Christoph von Marschall, derzeit Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion des in Berlin erscheinenden Tagesspiegel sowie Helmut Schmidt Fellow der ZEIT-Stiftung und des German Marshall Fund, der nicht zuletzt durch seine Arbeit als USA- und White-House-Korrespondent von 2005 bis 2013 als erfahrener und gefragter USA-Experte gilt.

 

Von Marschall erklärte der neugierigen Zuhörerschaft nicht nur das US-Wahlsystem, sondern auch das absurd erscheinende Phänomen, durch welches die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, trotz ihres Vorsprungs von rund 3 Millionen Wählerstimmen dem Polit-Exoten unterlag. Eine große Rolle bei Trumps Wahl spielte zudem die Mobilisierung von Nichtwählern und damit einhergehend der Zugewinn bislang mehrheitlich demokratisch wählender Staaten im Rust Belt. Christoph von Marschall merkte hierbei an, dass es Donald Trump - entgegen seiner Versprechungen an seine Wählerschaft - eben nicht gelingen wird, unter anderem den Kohlebergbau in der Region wiederzubeleben.

 

Eine Wiederwahl des umstrittenen Präsidenten im Jahr 2020 hält von Marschall trotz der gebrochenen Wahlversprechen nicht für unwahrscheinlich. Demnach fehle es sowohl auf der Seite der Republikaner, insbesondere aber auch auf der Seite der Demokraten an überzeugenden Hoffnungsträgern und dem längst überfälligen Generationenwechsel.

 

Der Journalist widmet sich seit längerem ausführlich der Berichterstattung über Donald Trump in Deutschland und ging in seinem Vortrag auch mit seiner Zunft hart ins Gericht. Er forderte weniger Hysterie und einen Fokus auf das Wesentliche in der deutschen Medienbranche. Viele Themen, die hierzulande für Schlagzeilen sorgen würden, seien nicht von Relevanz, während Meldungen mit eigentlichem Nachrichtenwert keinerlei Beachtung fänden. Hierbei sieht von Marschall auch die Bevölkerung in der Verantwortung Medien reflektierter zu konsumieren. Als Beispiel nannte er den Skandal um Trumps Kommentar über „Shithole Countries“, während die Steuerreform der US-Regierung und die vermeintlichen Steuererleichterungen für die Unter- und Mittelschicht kaum Beachtung fanden.

 

Im Hinblick auf zukünftige sicherheitspolitische Strategien bezog der Experte klare Position zur Erreichung des 2%-NATO-Budgets und argumentierte für eine aktivere Rolle der Bundeswehr im internationalen Raum. Dass Nachbarstaaten Deutschland als erstarkende Militärmacht fürchten könnten, bezeichnete er als vorgeschoben und überholt.

 

Nach seinem informativen Vortrag nahm sich Christoph von Marschall ausführlich Zeit zum Meinungsaustausch und für vereinzelte Fragen.

 

Allen Daheimgebliebenen konnten wir diesmal einen Facebook-Livestream der Veranstaltung bieten. Wir bedanken uns an dieser Stelle recht herzlich bei der Petra-Kelly-Stiftung für die erfolgreiche Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere interessante Veranstaltungen in der Zukunft.

 

Unser Dank gilt ebenso allen teilnehmenden Gästen: Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch bei uns im Amerikahaus.

 

Foto: Christoph von Marschall ©Amerikahaus